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Energieeffizienz trotz
Effizienzgesetz
Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Energielieferanten, Energie zu sparen – sowohl bei sich
selbst als auch bei ihren Kunden. Ein wichtiges Ziel, doch die Umsetzung ist schwerfällig:
Fehlende Vorgaben führen zu großer Unsicherheit und Sorge vor anstehender Kostenexplosion.
Neue Pflichten, großer bürokratischer Aufwand und hohe Kosten – so zienzmaßnahmen wird ein externer Gutachter benötigt, da Maßnah-
könnten die Auswirkungen des österreichischen Energieeffizienzge- men im produzierenden Bereich durch das Methodendokument kaum
setzes (EEffG) zusammengefasst werden. Das lange diskutierte und abgedeckt sind. Allerdings sehen andere Unternehmen auch Chancen
umstrittene Gesetz trat im zweiten Anlauf am 1. Jänner in Kraft. und positive Impulse durch das neue Gesetz, wie beispielsweise In-
„Bei kaum einem anderen Gesetz ist die direkte Betroffenheit der vestitionen in energieeffiziente Technologien. Würde die Industrie die
Unternehmen größer als beim Energieeffizienzgesetz, ohne eigent- beste auf dem Markt verfügbare Technik einsetzen, könnte bis zum
lich selbst verpflichtet zu sein – sieht man von der Verpflichtung der Jahr 2030 der industrielle Energiebedarf um rund ein Viertel reduziert
Einführung eines Energiemanagementsystems beziehungsweise der werden. Das würde bei gleicher Produktivität erhebliche Kosten ein-
Durchführung eines Energieaudits ab. Von wo sollen die Energieef- sparen, da rund 30 Prozent des jährlichen Gesamtenergieverbrauchs
fizienzmaßnahmen, die die Energielieferanten nachzuweisen haben, in Österreich von Industrie- und produzierenden Gewerbebetrieben
denn kommen? Natürlich von den Unternehmen“, sagt Mag. Georg benötigt werden. Auch auf die Gesamtwirtschaft könnte das Gesetz
Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie GmbH. Zur durch neue Investitionen positive Auswirkungen haben. Gleichzeitig
genauen Umsetzung gibt es noch immer viele offene Fragen: sowohl können die daraus resultierenden Einsparungen die Versorgungssi-
bei den Energieanbietern, den Energielieferanten als auch bei den cherheit Österreichs sichern sowie den Wirtschaftsstandort stärken.
Energiekunden. Die Energieeffizienz als eigentliches Ziel scheint im-
mer mehr in den Hintergrund zu rücken. Es wird befürchtet, dass die Energiebranche, Wirtschaft
neuen Richtlinien eine Kostenexplosion nach sich ziehen könnten. Das und Industrie tappen im Dunkeln
Gesetz soll die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent verbessern, Mittlerweile ist das Gesetz seit mehr als zehn Monaten in Kraft.
die Versorgungssicherheit erhöhen sowie den Anteil erneuerbarer Dennoch fehlt es an genauen Details, wie die Energieeffizienzziele in
Energien vergrößern. Dadurch soll die Energiewende unterstützt wer- der Praxis umgesetzt werden können. Univ.-Doz. Dr. Mag. Stephan
den, denn jede gesparte Kilowattstunde verringert die Emission von Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der
Treibhausgasen. Energieversorger müssen bis Jahresende nachweisen, Wirtschaftskammer, zieht in einer Aussendung eine „ernüchternde
durch geeignete Maßnahmen 0,6 Prozent des Vorjahresenergieabsat- Zwischenbilanz“. Noch immer fehle es an einer Richtlinienverord-
zes reduziert zu haben. So schreibt es das Gesetz vor. Derzeit liegt der nung, die regelt, welche Einsparmaßnahmen anrechenbar sind, sowie
Energieverbrauch in Österreich bei 1.117 Petajoule pro Jahr. Bis 2020 an einem Methodendokument – und damit an der nötigen Rechtssi-
soll er, so die Absicht des Gesetzgebers, auf 1.050 Petajoule sinken. cherheit. „Das ist so, als hätten sich zwei Fußballmannschaften für
ein Match auf ein Fußballfeld begeben, und erst dann wird klar, dass
Impulse auf dem Wirtschaftsstandort ihnen die Tore fehlen“, sagt Schwarzer in der Aussendung und fordert
Das Energieeffizienzgesetz birgt sowohl Vor- als auch Nachtei- „transparente, klare Vorgaben“ ein, „wie mit Energiesparmaßnahmen
le für die heimische Wirtschaft. Viele Unternehmen befürchten, dass umzugehen ist“.
der erhöhte bürokratische Aufwand ihre Stellung am Markt und im Bei Redaktionsschluss sollte der Maßnahmenkatalog in Begut-
globalen Wettbewerb schwächen könnte. Wopfinger-Geschäftsführer achtung geschickt werden. Damit war also noch immer unklar, welche
Bursik: „Abgesehen davon, dass eine Steigerung von Energieeffizienz- Sparmaßnahmen anerkannt werden und wie die Einsparungen genau
maßnahmen aufgrund der getätigten Vorleistungen in der energiein- gemessen werden. Fest steht jedoch: Schaffen es die Energieanbieter
tensiven Industrie kaum mehr möglich ist, ertrinkt man förmlich bei nicht, die geforderte Energie bei sich selbst oder bei ihren Kunden
den simpelsten Verbesserungen in einem Mehraufwand an Dokumen- einzusparen, müssen entweder Ausgleichszahlungen von 20 Cent pro
tation.“ Statt Anlagen weiter zu optimieren, müsse nun die knappe Kilowattstunde oder hohe Strafzahlungen geleistet werden. Schwar-
Zeit in Bürokratie gesteckt werden. Bei praktisch allen relevanten Effi- zer fürchtet, dass dadurch 350 Millionen Euro jährlich fällig werden
30 ENERGIE INSIDE NOV/15