Page 30 - EAA_MAG_NOV15
P. 30

Energieeffizienz trotz



                      Effizienzgesetz









            Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Energielieferanten, Energie zu sparen – sowohl bei sich
            selbst als auch bei ihren Kunden. Ein wichtiges Ziel, doch die Umsetzung ist schwerfällig:
            Fehlende Vorgaben führen zu großer Unsicherheit und Sorge vor anstehender Kostenexplosion.



            Neue Pflichten, großer bürokratischer Aufwand und hohe Kosten – so   zienzmaßnahmen wird ein externer Gutachter benötigt, da Maßnah-
            könnten die Auswirkungen des österreichischen Energieeffizienzge-  men im produzierenden Bereich durch das Methodendokument kaum
            setzes (EEffG) zusammengefasst werden. Das lange diskutierte und   abgedeckt sind. Allerdings sehen andere Unternehmen auch Chancen
            umstrittene  Gesetz  trat im zweiten  Anlauf  am  1.  Jänner in  Kraft.   und positive Impulse durch das neue Gesetz, wie beispielsweise In-
            „Bei kaum einem anderen Gesetz ist die direkte Betroffenheit der   vestitionen in energieeffiziente Technologien. Würde die Industrie die
            Unternehmen größer  als  beim  Energieeffizienzgesetz,  ohne  eigent-  beste auf dem Markt verfügbare Technik einsetzen, könnte bis zum
            lich selbst verpflichtet zu sein – sieht man von der Verpflichtung der   Jahr 2030 der industrielle Energiebedarf um rund ein Viertel reduziert
            Einführung eines Energiemanagementsystems beziehungsweise der   werden. Das würde bei gleicher Produktivität erhebliche Kosten ein-
            Durchführung eines Energieaudits ab. Von wo sollen die Energieef-  sparen, da rund 30 Prozent des jährlichen Gesamtenergieverbrauchs
            fizienzmaßnahmen, die die Energielieferanten nachzuweisen haben,   in Österreich von Industrie- und produzierenden Gewerbebetrieben
            denn kommen? Natürlich von den Unternehmen“, sagt Mag. Georg   benötigt werden. Auch auf die Gesamtwirtschaft könnte das Gesetz
            Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie GmbH. Zur   durch neue Investitionen positive Auswirkungen haben. Gleichzeitig
            genauen Umsetzung gibt es noch immer viele offene Fragen: sowohl   können  die  daraus  resultierenden  Einsparungen  die  Versorgungssi-
            bei den Energieanbietern, den Energielieferanten als auch bei den   cherheit Österreichs sichern sowie den Wirtschaftsstandort stärken.
            Energiekunden. Die Energieeffizienz als eigentliches Ziel scheint im-
            mer mehr in den Hintergrund zu rücken. Es wird befürchtet, dass die   Energiebranche, Wirtschaft
            neuen Richtlinien eine Kostenexplosion nach sich ziehen könnten. Das   und Industrie tappen im Dunkeln
            Gesetz soll die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent verbessern,      Mittlerweile ist das Gesetz seit mehr als zehn Monaten in Kraft.
            die  Versorgungssicherheit  erhöhen  sowie  den  Anteil  erneuerbarer   Dennoch fehlt es an genauen Details, wie die Energieeffizienzziele in
            Energien vergrößern. Dadurch soll die Energiewende unterstützt wer-  der Praxis umgesetzt werden können. Univ.-Doz. Dr. Mag. Stephan
            den, denn jede gesparte Kilowattstunde verringert die Emission von   Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der
            Treibhausgasen. Energieversorger müssen bis Jahresende nachweisen,   Wirtschaftskammer,  zieht  in  einer  Aussendung  eine  „ernüchternde
            durch geeignete Maßnahmen 0,6 Prozent des Vorjahresenergieabsat-  Zwischenbilanz“. Noch immer fehle es an einer Richtlinienverord-
            zes reduziert zu haben. So schreibt es das Gesetz vor. Derzeit liegt der   nung, die regelt, welche Einsparmaßnahmen anrechenbar sind, sowie
            Energieverbrauch in Österreich bei 1.117 Petajoule pro Jahr. Bis 2020   an einem Methodendokument – und damit an der nötigen Rechtssi-
            soll er, so die Absicht des Gesetzgebers, auf 1.050 Petajoule sinken.    cherheit. „Das ist so, als hätten sich zwei Fußballmannschaften für
                                                              ein Match auf ein Fußballfeld begeben, und erst dann wird klar, dass
            Impulse auf dem Wirtschaftsstandort               ihnen die Tore fehlen“, sagt Schwarzer in der Aussendung und fordert
               Das Energieeffizienzgesetz birgt sowohl Vor- als auch Nachtei-  „transparente, klare Vorgaben“ ein, „wie mit Energiesparmaßnahmen
            le für die heimische Wirtschaft. Viele Unternehmen befürchten, dass   umzugehen ist“.
            der erhöhte bürokratische Aufwand ihre Stellung am Markt und im      Bei Redaktionsschluss sollte der Maßnahmenkatalog in Begut-
            globalen Wettbewerb schwächen könnte. Wopfinger-Geschäftsführer   achtung geschickt werden. Damit war also noch immer unklar, welche
            Bursik: „Abgesehen davon, dass eine Steigerung von Energieeffizienz-  Sparmaßnahmen anerkannt werden und wie die Einsparungen genau
            maßnahmen aufgrund der getätigten Vorleistungen in der energiein-  gemessen werden. Fest steht jedoch: Schaffen es die Energieanbieter
            tensiven Industrie kaum mehr möglich ist, ertrinkt man förmlich bei   nicht, die geforderte Energie bei sich selbst oder bei ihren Kunden
            den simpelsten Verbesserungen in einem Mehraufwand an Dokumen-  einzusparen, müssen entweder Ausgleichszahlungen von 20 Cent pro
            tation.“ Statt Anlagen weiter zu optimieren, müsse nun die knappe   Kilowattstunde oder hohe Strafzahlungen geleistet werden. Schwar-
            Zeit in Bürokratie gesteckt werden. Bei praktisch allen relevanten Effi-  zer fürchtet, dass dadurch 350 Millionen Euro jährlich fällig werden


            30   ENERGIE INSIDE NOV/15
   25   26   27   28   29   30   31   32   33   34   35